Boniversum + Infoscore = Experian: Was die Fusion für deine Daten bedeutet
Experian hat Boniversum übernommen und mit Infoscore verschmolzen. Was das für deinen Datenbestand bedeutet, wo du jetzt deine Datenkopie anforderst und worauf du achten musst.
Eine Übernahme, die Verbraucher betrifft
Was viele Verbraucher nicht mitbekommen haben: Die Auskunftei-Landschaft in Deutschland hat sich 2025 grundlegend verändert. Der internationale Datenkonzern Experian hat die Creditreform Boniversum GmbH übernommen und mit seiner deutschen Tochter infoscore Consumer Data GmbH (ICD) verschmolzen. Aus zwei eigenständigen Auskunfteien wurde eine — mit einem kombinierten Datenpool, der deutlich größer ist als die Summe seiner Teile.
Für dich als Verbraucher heißt das: Eine Auskunftei weniger, an die du dich wenden kannst — aber eine, die potenziell mehr über dich weiß als jede der beiden Vorgängerinnen einzeln.
Was genau passiert ist
Im März 2025 gaben Experian und Creditreform eine strategische Partnerschaft bekannt. Im Kern ging es um eine „Technologie- und Datenallianz", die eine einzigartige Datenbasis für Identitätsprüfung und Risikobewertung schaffen sollte. In der Praxis bedeutete das: Die Boniversum GmbH wurde aufgelöst und in die infoscore Consumer Data GmbH überführt. Bonitätsauskünfte, die früher separat von Boniversum und Infoscore erstellt wurden, kommen jetzt aus einem Haus.
Der Hintergrund: Experian ist einer der drei größten Auskunftei-Konzerne weltweit (neben Equifax und TransUnion) und war in Deutschland bisher über Infoscore aktiv — vor allem bei Energieversorgern, Telekommunikationsanbietern und im E-Commerce. Boniversum hingegen hatte seine Stärke bei Kreditrisiko-Bewertungen und Unternehmensdaten über das Creditreform-Netzwerk. Die Fusion vereint beide Kompetenzen.
Was das für deine Daten bedeutet
Die wichtigste Konsequenz: Die neue ICD hat Zugriff auf den kombinierten Datenbestand beider Auskunfteien. Einträge, die früher ausschließlich bei Boniversum gespeichert waren — etwa Bonitätsanfragen von Telekommunikationsanbietern oder Versicherungen — fließen jetzt in denselben Pool wie die Infoscore-Daten zu Inkasso-Forderungen, Mahnverfahren und Zahlungsausfällen. Das ergibt ein umfassenderes Profil jedes einzelnen Verbrauchers.
Ob das gut oder schlecht ist, hängt von deiner Datenlage ab. Wer bei beiden Auskunfteien saubere Daten hatte, merkt kaum einen Unterschied. Wer aber einen alten Inkasso-Eintrag bei Infoscore und eine ansonsten positive Bonität bei Boniversum hatte, sieht sich plötzlich mit einem kombinierten Profil konfrontiert, das beides zeigt.
Dein Auskunftsrecht bleibt bestehen — aber der Adressat ändert sich
Dein Recht auf eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO gilt selbstverständlich auch gegenüber der fusionierten ICD. Wichtig ist nur, dass du deine Anfrage an die richtige Stelle richtest. Statt an „Creditreform Boniversum" schreibst du jetzt an:
infoscore Consumer Data GmbH
Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden
E-Mail: [email protected]
Die Auskunft ist kostenlos und in angemessenen Abständen unbegrenzt möglich — genau wie bei der SCHUFA, CRIF und allen anderen Auskunfteien. Es gibt keine gesetzliche Beschränkung auf eine bestimmte Häufigkeit.
Warum du jetzt besonders aufmerksam sein solltest
Fusionen in der Auskunftei-Branche sind erfahrungsgemäß fehleranfällig. Wenn zwei Datenbestände zusammengeführt werden, können Dubletten entstehen, Einträge falsch zugeordnet oder veraltete Daten übernommen werden. Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, deine Datenkopie bei der ICD anzufordern und jeden Eintrag sorgfältig zu prüfen.
Achte besonders auf: Einträge, die du bei Boniversum oder Infoscore einzeln nie gesehen hast — sie könnten durch die Zusammenführung neu zugeordnet worden sein. Doppeleinträge für denselben Vorgang. Veraltete Einträge, deren Löschfrist abgelaufen ist. Fehlerhafte Daten kannst du nach Art. 16 DSGVO berichtigen und nach Art. 17 DSGVO löschen lassen.
Nicht nur die SCHUFA — alle Auskunfteien im Blick behalten
Die Fusion zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, nicht nur die SCHUFA, sondern alle relevanten Auskunfteien zu überprüfen. Neben der SCHUFA und der neuen ICD/Experian speichert auch die CRIF GmbH (ehemals Bürgel) Daten über dich. Die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO gilt gegenüber allen — und über selbstauskunft-24.de lässt sich das SCHUFA-Formular als Vorlage auch für die anderen Auskunfteien nutzen.
Kostenlose Datenkopie plus gezieltes Schwärzen sensibler Stellen — das ist die bessere Alternative zum 29,95 € teuren SCHUFA-BonitätsCheck. Du erhältst mehr Informationen, behältst die Kontrolle und sparst Geld.
Weiterführende Artikel
Nicht nur die SCHUFA: Alle Auskunfteien auf einmal anfragen — CRIF, Boniversum, Infoscore und Creditreform: So beantragst du bei allen eine Datenkopie.
DSGVO Art. 15: Dein Recht auf eine kostenlose Datenkopie — Wie das Auskunftsrecht funktioniert und was du beantragen kannst.
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Externe Quellen zum Weiterlesen
- AdvoAdvice: SCHUFA & Co. – Neue Löschfristen der Auskunfteien — Analyse der aktuellen Löschfristen nach der Fusion.
- Verbraucherzentrale: Bonitätsprüfung – Was dürfen SCHUFA und Co. — Deine Rechte gegenüber allen Auskunfteien.
- BfDI: Betroffenenrechte und Auskunftsrecht — Offizielle Informationen zu deinem Recht auf Datenkopie.
- EUR-Lex: Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) — Volltext mit Regelungen zur Datenverarbeitung.
- Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) — Deutsche Datenschutzregelungen für nationale Besonderheiten.
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